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Wohin werden die Arbeitsplätze verlegt?

ChemChina ist ein chinesischer Chemiekonzern mit einem Vermögen von 44 Mrd. US-Dollar und dem Wunsch Italiens Prestigemarke Pirelli zu übernehmen. Der erste Schritt ist bereits mit der Übernahme des Pirelli-Anteilseigners Camfin für 1,9 Mrd. Euro gemacht. In einem weiteren Schritt könnte der chinesische Chemieriese Pirelli für 7,66 Mrd. US-Dollar, umgerechnet 7,1 Mrd. Euro, übernehmen.

ChemChina würde bei erfolgreicher Übernahme eines der größten Einstiege eines staatlichen chinesischen Unternehmens im Ausland gelingen. Somit folgt ChemChina dem Beispiel einer Vielzahl chinesischer Unternehmen die seit nunmehr 15 Jahren dem Aufruf des damaligen Parteichef Jiang Zemin erhören, der den Konzernen seines Landes eine strikte Expansionspolitik verordnete.

Chinesische Wirtschaftsunternehmen haben sich das Ziel gesetzt, westliche Firmen zu akquirieren und sich am Weltmarkt zu bewähren. Als bedeutende Übernahme gilt die des Computerriesen IBM aus den USA, wohingegen Übernahmen im europäischen Raum, neben einigen mittelständischen Unternehmen und dem angeschlagenen schwedischen Autohersteller Volvo, eher zaghaft vorankamen.

Der bis dato größte Deal erfolgte im Sommer 2012, in dem der Staatskonzern Weichai Power 25% des Gabelstaplerherstellers Kion übernahm, jedoch seinen Anteil auf fünf Prozent drosselte als Kion nur ein Jahr später den Börsengang wagte. Inhalt der Vereinbarung war unter anderem, dass Weichai die Strategie für China und den südostasiatischen Raum übernehme und sich des Weiteren 70% der Hydrauliksparte der Kion-Premiummarke Linde sicherte.

2014 zahlte Chinas staatlicher Metallhändler Minmetals stolze 5,8 Mrd. US-Dollar für die Übernahme einer Minengesellschaft in Peru. Dies zeigt, dass die größten Transaktionen sowohl außerhalb Europas und zudem im Energie- und Bergbausektor ablaufen.

Ähnliche Aspekte fungieren als Antreiber für die Übernahme von Pirelli durch ChemChina. Pirelli AutoReifen stehen für Top-Qualität und hohe Margen. Das chinesische Großunternehmen erhält durch die Akquise auf dem asiatischen Markt dringend benötigtes Know-How und bietet Pirelli dafür einen erleichterten Einstieg in den hart umkämpften Markt Asiens, wo bereits die Mitbewerber, allen voran Michelin und Continental, ihre Geschäfte durch eigene Übernahmen anzukurbeln versuchen.

Der momentan schwache Euro gepaart mit einer sich erholenden Wirtschaft im Euroraum bietet vielversprechende Kapitalrenditen für interessierte Anleger und auch ein weiteres Ziel ist bereits definiert: Das Erschaffen des weltweiten Marktführers in der Reifenindustrie.